Web 2.0, Social Media & Recht: Best of 2010 und Ausblick

2010 war für das Internet und vor allem die „Sozialen Medien“ ein spannendes Jahr. In vielen Unternehmen ist angekommen, dass das Web 2.0 und Social Media zahlreiche neue Chancen bietet, die – trotz anhaltender Überhitzung des Themas – nich einfach als Hype abgetan werden können.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich den Unternehmen, die nicht nur blinden Aktionismus an den Tag legen, sondern mit der richtigen Strategie und vor allem der entsprecheden Nachhaltigkeit in den Sozialen Medien aktiv werden, viele neue Möglichkeiten eröffnen werden.

Die Ergebnisse der SID/FIT-Studie der Software-Initiative Deutschland e.V. (SID) und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik bestätigen, dass Social Media dieses Jahr auch in Deutschland in der Geschäftswelt angekommen ist. Über drei Viertel der deutschen Unternehmen räumen der Meinungsbildung in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Xing eine wesentliche Bedeutung für ihr eigenes Geschäft ein.

Zu den Megatrends, die hier und da für 2011 prognostiziert werden (vgl. einige spannende Voraussagen bei t3n), möchte ich aus der juristischen Perspektive noch ein paar Beobachtungen hinzufügen.

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass das Thema Datenschutz, aber auch die dringend notwendige Reformierung des Urheberrechts uns nächstes Jahr bewegen werden. Darüber hinaus stelle ich eine starke Tendenz fest, dass Unternehmen sich nicht nur im Bereich Marketing und PR mit dem Phänomen Social Media stärker beschäftigen. In 2011 werden deshalb immer mehr Unternehmen auch in Deutschland spezfische Regularien schaffen, um die neu auftretenden Problemkomplexe zu regeln (z.B. Einführung von Social Media Guidelines als Ergänzung zu dem Regeln zu privaten Nutzung des Internet). Zunehmend entdecken Unternehmen auch die Möglichkeiten, die sich bei der Integration von Werkzeugen der Sozialen Medien (d.h. Blogs, Microblogs, Wikis oder Social Networks) im Unternehmen selbst (z.B. im Intranet) bieten (siehe hierzu auch die Beitragsreihe “Enterprise 2.0 Recht – Blogs, Wikis und Soziale Netzwerke im Intranet).

Im Bereich des Social Media Marketing aber auch im Zusammenhang mit anderen Aktivitäten auf Twitter, Facebook & Co wird der Rechtsrahmen der jeweiligen Plattform (sprich die Terms of Service oder Nutzungsbedingungen) weiter an Bedeutung gewinnen. Gerade bei Rechtsverletzungen auf diesen Plattformen bietet ein (alternatives oder kumulatives) Vorgehen über den Plattformbetreiber – je nach der konkreten Fallgestaltung – bisweilen bessere (d.h vor allem schnellere) Erfolgsaussichten, als über staatliche Stellen (z.B. Gerichte) (vgl. Verschiebung der Macht – Sind Facebook, Google & Co die neuen „Gesetzgeber“ ?).

Schließlich wird uns in 2011 noch stärker die Frage beschäftigen, wann und unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen fremde Inhalte und Informationen erhoben, ausgewertet und in aggregierter Form im Rahmen eines eigenen Services mit eigenen Nutzwerten veröffentlicht und/oder angeboten werden können und dürfen (vgl. Datenaggregation & Recht – Wann ist das Auslesen und die Veröffentlichung fremder Daten zulässig ?). Google selbst ist das beste Beispiel dafür, dass einige Fragen urheber-, aber auch datenbankrechtlicher Natur noch noch nicht hinreichend geklärt sind.

Auch in 2011 werde ich mich mit diesen Themen auseinandersetzen und versuchen, in diesem Blog nicht nur die aktuelle Rechtsprechung im Bereich Internet und Social Media vorzustellen, sondern auch solche neuen Fragen aufzugreifen.

In 2010 habe ich hier auf diesem Blog 36 Artikel zum Themenkreis „Web 2.0, Social Media & Recht“ veröffentlicht. Als kleinen Rückblick möchte ich nachfolgend noch einmal die 12 Artikel in der entsprechenden Reihenfolge auflisten, die in diesem Jahr den meisten Zuspruch (sprich Klicks) erhalten haben.

1. Pflicht zur Herausgabe des XING Accounts bei Arbeitsplatzwechsel ?
2. Social Media Marketing & Recht – Dos and Donts beim Werben im Social Web
3. Social Media Marketing & Recht – Nutzungsbedingungen begrenzen Werbemöglichkeiten
4. Der Fall Wikileaks – Zulässige Inanspruchnahme der Pressefreiheit oder rechtswidriger Geheimnisverrat
5. Social Media Richtlinien – (Rechtliche) Leitplanken schaffen Medienkompetenz
6. Facebook & Recht – Tourismusverband Innsbruck „kapert“ Facebook Account mit über 16.000 Fans
7. Video Embedding & Co – Rechtliche Probleme bei der Einbindung von fremden Inhalten
8. Google Streetview – Anspruch auf „Entpixelung“ ?
9. Twitter & Recht – Eine Zusammenfassung der ersten straf- und wettbewerbsrechtlichen Fälle
10. Facebook und der Datenschutz – Rechtliche Einordnung von Inhalten in Sozialen Netzwerken
11. Social Media Richtlinien & Recht – Grenzen der Meinungsfreiheit im Arbeitsverhältnis
12. Videovortrag „Social Media & Recht – Twitter in der Unternehmenskommunikation“

Schließlich möchte ich mich noch ausdrücklich bei allen Lesern dieses Blogs für ein spannendes 2010 bedanken. Auch in 2011 freue ich mich natürlich auf Kommentare, spannende Diskussionen und zahlreiche Anregungen für mögliche Themen. Außerdem hoffe ich, dass ich es nächstes Jahr endlich schaffe, den schon lange geplanten Relaunch dieses Blogs durchzuführen.

Bis dahin wünsche ich frohe Weihnachten und eine guten Rutsch in das neue Jahr…

Gerne stehen wir bei weitergehenden Fragen oder Interesse an einem entsprechenden Inhouse Workshop telefonisch unter +49 (0) 711 23 84 953 oder via E-Mail cu@bartsch-rechtsanwaelte.de zur Verfügung.

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